Demokratische Gesellschaft, starke Kommunen

Berei­che:
Kom­mu­nale Demo­kra­tie stär­ken
Kom­mu­nal­fi­nan­zen in Ord­nung brin­gen
Eine nach­hal­tige Steuer– und Finanz­po­li­tik
Der Staat als Part­ner der Bür­ger
Woh­nen braucht Sicher­heit
Stadt und Land – neue Alli­anz für die Zukunft
Ehren­amt ermög­licht sozia­les Leben
Kir­chen und Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten
Gemein­sam gegen Rechts
Direkte Demo­kra­tie stär­ken
Den öffent­li­chen Dienst zukunfts­fest machen
Mit­be­stim­mung stär­ken
In Sicher­heit und Frie­den leben
NRW im Bund, in Europa und der Einen Welt
Eine-Welt-Politik gestal­ten
In NRW den Wech­sel wählen

Starke Kommunen

Kom­mu­nale Demo­kra­tie stär­ken
Nir­gendwo wird Poli­tik so unmit­tel­bar wahr genom­men wie in unse­ren Kom­mu­nen.
Sie sind für die Daseins­vor­sorge ver­ant­wort­lich und prä­gen den All­tag der Men­schen.
In den Städ­ten, Gemein­den und Krei­sen gestal­ten Sozi­al­de­mo­kra­tin­nen und
Sozi­al­de­mo­kra­ten die Poli­tik vor Ort. Nah bei den Men­schen schaf­fen wir die
Bedin­gun­gen guter Lebens­qua­li­tät, stel­len uns den Erwar­tun­gen der Bür­ge­rin­nen
und Bür­ger, zei­gen Per­spek­ti­ven für eine gute Stadt­ent­wick­lung auf. Wir kämp­fen für
Chan­cen­gleich­heit und soziale Gerech­tig­keit vor Ort.

Heute und künf­tig kommt es wei­ter dar­auf an, unsere Städte, Gemein­den und Kreise
bei der Bewäl­ti­gung der Zukunfts­auf­ga­ben zu unterstützen.

In einem Land mit der Größe und Bevöl­ke­rungs­dichte Nordrhein-Westfalens ist eine
funk­ti­ons­tüch­tige Mit­tel­in­stanz unver­zicht­bar. Des­halb hal­ten wir an den bewähr­ten
fünf Bezirks­re­gie­run­gen an ihrem jewei­li­gen Amts­sitz fest. Wir wer­den ihren Wan­del
von der klas­si­schen Auf­sichts­be­hörde zur moder­nen Bera­tungs­in­stanz als Part­ner
der Kom­mu­nen aktiv för­dern. Die bei­den Land­schafts­ver­bände leis­ten einen
her­aus­ra­gen­den Bei­trag zur sozia­len und kul­tu­rel­len Qua­li­tät der Regio­nal­po­li­tik in
unse­rem Land. Des­halb hal­ten wir an ihnen fest.

Zu einer leben­di­gen kom­mu­na­len Demo­kra­tie gehört für uns auch, die starre
Ein­tei­lung in Pflicht­auf­ga­ben und frei­wil­lige Auf­ga­ben der Gemein­den zu über­prü­fen.
Diese Unter­schei­dung ist zumin­dest in den Berei­chen frag­wür­dig, in denen
struk­tur­schwa­che Gemein­den auf prä­ven­tive Aus­ga­ben ver­zich­ten müs­sen, die das
Ent­ste­hen wesent­lich höhe­rer Kos­ten im Bereich der Pflicht­auf­ga­ben ver­hin­dern
wür­den, z.B. in der Jugend­hilfe oder bei Inves­ti­tio­nen zur ener­ge­ti­schen Sanie­rung,
die zu einer Ent­las­tung bei pflich­ti­gen Auf­ga­ben führen.

Zur Stär­kung der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung gehört auch eine pro­fi­lierte
Zusam­men­ar­beit auf regio­na­ler Ebene. Wir haben dem Ruhr­ge­biet mit dem
Regio­nal­ver­band (RVR) einen moder­ni­sier­ten regio­nal­po­li­ti­schen Rah­men gege­ben.
Das Ruhr­ge­biet muss sei­nem Anspruch Metro­pol­re­gion zu sein, gerecht wer­den.
Des­halb sind wir bereit, ein­ver­nehm­lich das RVR-Gesetz zu opti­mie­ren. Hierzu zählt
für uns selbst­ver­ständ­lich auch die Stär­kung von direk­ter Demo­kra­tie und
Bürgerbeteiligung.

Die SPD-geführte Lan­des­re­gie­rung wird die kom­mu­nale Demo­kra­tie in Nord­rhein–
West­fa­len wie­der stär­ken. Des­halb wer­den wir einen Kom­mu­nal­rat ein­füh­ren, dem
kom­mu­nale Man­dats­trä­ger, Haupt­ver­wal­tungs­be­amte und die kom­mu­na­len
Spit­zen­ver­bände ange­hö­ren. Die­ser Kom­mu­nal­rat soll bei allen Geset­zes­vor­ha­ben
und Ver­ord­nun­gen mit­wir­ken, die die Kom­mu­nen betref­fen und ein Initia­tiv­recht dem
Land­tag gegen­über besitzen.

Wir wer­den die Stich­wahl für die kom­mu­na­len Per­so­nen­wah­len wie­der ein­füh­ren. Wir
wer­den eine gerichts­feste Sperr­klau­sel für kom­mu­nale Ver­tre­tun­gen ein­füh­ren. Wir
wer­den dafür sor­gen, dass die Bürgermeister-, Land­rats– und
Ober­bür­ger­meis­ter­wah­len wie­der an die Kom­mu­nal­wah­len gekop­pelt wer­den.
Grund­sätz­lich tre­ten wir für die Zusam­men­le­gung von Wahl­ter­mi­nen ein, um Kos­ten
nied­rig zu hal­ten und eine hohe Wahl­be­tei­li­gung zu ermöglichen.

Kom­mu­nal­fi­nan­zen in Ord­nung brin­gen
Die finan­zi­elle Situa­tion einer Viel­zahl nordrhein-westfälischer Kom­mu­nen hat
dra­ma­ti­sche Züge ange­nom­men. Durch die Umstel­lung auf das kauf­män­ni­sche
Rech­nungs­we­sen (Neues Kom­mu­na­les Finanz­ma­nage­ment – NKF) wird der ganze
Umfang der Dra­ma­tik deut­lich: Die ers­ten Groß­städte sind bereits über­schul­det, viele
wei­tere Kom­mu­nen wer­den in den nächs­ten Jah­ren trotz ihrer Spar­an­stren­gun­gen
fol­gen – mit ver­hee­ren­den Kon­se­quen­zen für ihre Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Dies ist
nur zum Teil auf die Aus­wir­kun­gen der glo­ba­len Wirt­schafts­krise zurück zu füh­ren.
Ins­be­son­dere die struk­tu­relle Ent­wick­lung in den Groß­städ­ten des Ruhr­ge­biets und
des Ber­gi­schen Lan­des doku­men­tiert, dass die Finanz­aus­stat­tung der Kom­mu­nen
unzu­rei­chend ist. Mitt­ler­weile ist wis­sen­schaft­lich belegt, dass die Kom­mu­nen in
NRW seit Jah­ren schlech­ter gestellt sind als die in ande­ren Bun­des­län­dern. Die
Aus­wir­kun­gen ver­schie­de­ner Fehl­ent­wick­lun­gen wie die Über­las­tung mit
Sozi­al­aus­ga­ben tref­fen ins­be­son­dere die grö­ße­ren Städte in NRW. Die schwarz­gelbe
Lan­des­re­gie­rung hat durch die Abwäl­zung zahl­rei­cher Las­ten und das
unge­recht­fer­tigte Ein­be­hal­ten von für die Kom­mu­nen bestimm­ten Gel­dern die Lage
verschärft.

Wir wer­den die ange­mes­sene Finanz­aus­stat­tung der Kom­mu­nen in der
Lan­des­ver­fas­sung verankern.

Wir wol­len die finan­zi­elle Hand­lungs­fä­hig­keit der Kom­mu­nen in NRW auf Dauer
durch die ver­fas­sungs­recht­li­che Garan­tie (§28, Art. 2 GG) einer ange­mes­se­nen an
den Auf­ga­ben der Kom­mune ori­en­tier­ten Finan­zie­rung absi­chern. Dazu wird eine
SPD geführte Lan­des­re­gie­rung eine Initia­tive zur Ände­rung der Arti­kel 78, 79
Lan­des­ver­fas­sung NRW ergreifen“

Ohne eine sol­che Garan­tie leh­nen wir eine Schul­den­bremse in der
Lan­des­ver­fas­sung strikt ab. Der Zwang zum Ver­zicht auf Schul­den würde, bei einer
unge­si­cher­ten Ein­nah­me­ba­sis, in abseh­ba­rer Zeit nur auf Sozi­al­ab­bau hin­aus­lau­fen.
Wir wer­den ver­hin­dern, dass Städte und Gemein­den in ihrer Finanz­aus­stat­tung
wei­ter geschwächt wer­den. Wir wer­den uns aktiv dafür ein­set­zen, dass rasch eine
Lösung für das Pro­blem ihrer Alt­schul­den gefun­den wird.

Die Gewer­be­steuer ist die wich­tigste Ein­nah­me­quelle für unsere Kom­mu­nen. Sie
muss ohne Wenn und Aber erhal­ten und in der Basis ver­brei­tert wer­den. Wir machen
uns für eine Ent­las­tung der Kom­mu­nen durch die Ver­brei­te­rung der
Gewer­be­steu­er­um­lage stark. Län­ger­fris­tig muss die Gewer­be­steuer in ein
umfas­sen­des, fle­xi­bles und sozi­al­ver­träg­li­ches kom­mu­na­les Finanz­sys­tem
ein­ge­bet­tet werden.

Wir garan­tie­ren die strikte Ein­hal­tung des Kon­ne­xi­täts­prin­zips. Eine wei­tere
Ver­la­ge­rung von Auf­ga­ben auf die Kom­mu­nen, ohne die Bereit­stel­lung der
finan­zi­el­len Mit­tel, wird es mit uns nicht geben.

Wir legen einen „Stär­kungs­pakt Stadt­fi­nan­zen“ auf, der über­schul­de­ten Gemein­den
zugute kommt. Ziel des Pak­tes ist es, die betrof­fe­nen Gemein­den von Zins­zah­lun­gen
zu ent­las­ten, um jetzt not­wen­dige Inves­ti­tio­nen zu ermög­li­chen. Diese Hilfe zur
Selbst­hilfe soll dazu bei­tra­gen, dass Kom­mu­nen wie­der aus­ge­gli­chene Haus­halte
beschlie­ßen können.

Wir set­zen uns dafür ein, hoch ver­schul­dete Städte von Aus­ga­ben für den
Soli­dar­fonds zu ent­las­ten, damit dort die Haus­halte kon­so­li­diert wer­den können.

Wir wer­den uns gegen­über dem Bund für eine Neu­ord­nung des Sys­tems der
Berech­nung des Bun­des­an­teils an den Kos­ten der Unter­kunft gemäß SGB II stark
machen. Das bis­he­rige Berech­nungs­ver­fah­ren führt zu einer kla­ren Benach­tei­li­gung
der Kom­mu­nen und muss drin­gend zu ihren Guns­ten über­ar­bei­tet werden.

Wir for­dern die Bun­des­re­gie­rung auf, mit dem Inves­ti­ti­ons­pro­gramm „Soziale Stadt“
dafür Sorge zu tra­gen, dass auch im Wes­ten Deutsch­lands Stadt­re­gio­nen nicht zu
Armuts­in­seln ver­kom­men und Inves­ti­tio­nen im sozia­len Sek­tor mög­lich werden.

Vor­aus­set­zung für die beschrie­be­nen ent­las­ten­den Hil­fen des Lan­des ist das
Grund­prin­zip der „Hilfe zur Selbst­hilfe“. Des­halb erwar­ten wir von den Kom­mu­nen,
die in den Genuss der ent­las­ten­den Finanz­hil­fen des Lan­des kom­men wol­len, eine
seriöse Haushaltspolitik.

Wir wer­den uns außer­dem nach­hal­tig dafür ein­set­zen, dass kom­mu­nale
Unter­neh­men auch wei­ter­hin nicht der Umsatz­steuer unterliegen.

Starke Kommunen

…das seine Kommunen…

Eine nach­hal­tige Steuer– und Finanz­po­li­tik
Die finan­zi­el­len Hand­lungs­mög­lich­kei­ten unse­res Lan­des las­sen ins­be­son­dere nach
der welt­wei­ten Wirt­schafts– und Finanz­krise in den nächs­ten Jah­ren kei­nen
Spiel­raum für ver­fehlte und teure Wahl­ver­spre­chen wie die schwarz-gelben
Steu­er­sen­kun­gen auf Pump der Bun­des­re­gie­rung. Für uns Sozi­al­de­mo­kra­ten ist klar:
Künf­tige Gene­ra­tio­nen dür­fen nicht für unse­riöse Wahl­ver­spre­chen und
rück­sichts­lo­ser Kli­en­tel­po­li­tik in Haf­tung genom­men werden.

Wir wer­den uns dem ver­ant­wor­tungs­lo­sen Steu­er­sen­ken des Bun­des zu Las­ten von
Län­dern und Kom­mu­nen mit aller Macht ent­ge­gen stel­len. Sinn­lose
Steu­er­sen­kun­gen sind Berau­bun­gen der Bür­ger, weil sie auf die Kür­zung von
Leis­tun­gen hin­aus­lau­fen, auf die diese ange­wie­sen sind.

Für uns Sozi­al­de­mo­kra­ten gilt: Starke Schul­tern müs­sen mehr tra­gen als schwa­che.
Des­halb set­zen wir uns für eine Ver­mö­gens­steuer ein. Unab­hän­gig davon soll ein
zwei­pro­zen­ti­ger Auf­schlag auf den Steu­er­satz für Spit­zen­ver­die­ner zweck­ge­bun­den
den glei­chen Zugang zu Bil­dungs­chan­cen für Alle ermög­li­chen. Wir spre­chen uns
gegen eine wei­tere Absen­kung des Spit­zen­steu­er­sat­zes aus.

Durch spe­ku­la­tive Inves­ti­tio­nen und unver­ant­wort­li­ches Pro­fit­stre­ben wurde eine
gewal­tige Finanz– und Wirt­schafts­krise ver­ur­sacht. Die­je­ni­gen die für die­sen Zustand
ver­ant­wort­lich sind, wol­len wir durch eine mode­rate Bör­sen­um­satz­steuer auf den
Han­del mit Wert­pa­pie­ren an der Besei­ti­gung der finan­zi­el­len Fol­gen die­ser Krise
betei­li­gen. Gleich­zei­tig set­zen wir uns dafür ein, dass die Län­der und damit auch
NRW einen fes­ten Anteil am Auf­kom­men aus die­ser neuen Steu­er­art erhalten.

Bei jeder staat­li­chen Hilfe für ein­zelne Ban­ken muss das Prin­zip ‚Keine Leis­tung
ohne Gegen­leis­tung’ strikt beach­tet wer­den. Eine ange­mes­sene Betei­li­gung des
Finanz­sek­tors an den staat­li­chen Kos­ten zur Kri­sen­be­kämp­fung ist sicher zu stel­len.
Dort wo ein­zelne Ban­ken durch indi­vi­du­el­les Fehl­ver­hal­ten von Bank­vor­stän­den,
Bera­tern oder sons­ti­gen Ver­ant­wor­tungs­trä­gern in Not gera­ten sind, muss die­ses
Fehl­ver­hal­ten auch kon­se­quent juris­tisch ver­folgt und geahn­det werden.

Vor dem Hin­ter­grund von Ein­nah­me­ein­brü­chen des Staa­tes und wach­sen­der
Staats­ver­schul­dung ist es für uns dane­ben wich­tig, die vor­han­de­nen finan­zi­el­len
Res­sour­cen ziel­ge­nau und nach­hal­tig zu nut­zen. Wir wol­len in die Zukunft der
nächs­ten Gene­ra­tio­nen inves­tie­ren. In Bil­dung und Betreu­ung, aber auch in den
Kli­ma­schutz und die Erfor­schung neuer Technologien.

CDU und FDP ori­en­tie­ren sich nicht an der Wirk­lich­keit. Die Ergeb­nisse ihrer Poli­tik
zei­gen, dass man nicht im sel­ben Atem­zug nied­ri­gere Steu­ern, den Abbau von
Schul­den, mehr Leh­rer, mehr Poli­zis­ten und zusätz­li­che För­der­pro­gramme
ver­spre­chen kann. Nordrhein-Westfalen steht heute schlech­ter da als 2005. Mit ihrer
Finanz­po­li­tik hat diese Lan­des­re­gie­rung viele Kom­mu­nen an den Rand des Ruins
gebracht.

Wir brau­chen in Nordrhein-Westfalen starke öffentlich-rechtliche Insti­tute im
Finanz­sys­tem. Unsere Spar­kas­sen haben sich in der welt­wei­ten Wirt­schafts– und
Finanz­krise als Ort von Sta­bi­li­tät und Serio­si­tät erwie­sen. Leis­tungs­fä­hige, dem
Gemein­wohl ver­pflich­tete Spar­kas­sen und Genos­sen­schafts­ban­ken sind
unver­zicht­bar für unsere Kom­mu­nen. Sie för­dern das ehren­amt­li­che Enga­ge­ment im
sozia­len, kul­tu­rel­len und sport­li­chen Bereich und sind star­ker und zuver­läs­si­ger
Part­ner des Hand­werks und der klein– und mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men vor Ort.

Für die größte und wich­tigste Lan­des­be­tei­li­gung, die West­deut­sche Lan­des­bank
(WestLB) muss end­lich ein zukunfts­fä­hi­ges und trag­fä­hi­ges Geschäfts­mo­dell
gefun­den wer­den. Bereits zu viel Zeit ist durch (partei)politisch moti­vier­tes Tak­tie­ren
ver­tan wor­den. Die nordrhein-westfälische Lan­des­re­gie­rung hat es ver­passt, eine
aktive und füh­rende Rolle im bun­des­wei­ten Kon­so­li­die­rungs­pro­zess der deut­schen
Lan­des­ban­ken zu übernehmen.

Auch für die Spar­kas­sen als Mit­ei­gen­tü­mer der WestLB müs­sen wei­tere finan­zi­elle
Belas­tun­gen ver­hin­dert wer­den. Des­halb ist für uns Sozi­al­de­mo­kra­ten klar, dass eine
WestLB alleine keine Zukunft im öffentlich-rechtlichen Ban­ken­sys­tem hat. Auf der
Grund­lage der Umset­zung der Vor­ga­ben der EU-Kommission muss die WestLB
daher in einen Fusi­ons­pro­zess hin­ein­ge­führt wer­den, an des­sen Ende bun­des­weit
eine Lan­des­bank ste­hen soll.

Wir wer­den zur Umset­zung die­ses Zie­les mit den Eigen­tü­mern der sechs wei­te­ren
Lan­des­ban­ken in Deutsch­land Gesprä­che auf­neh­men und in bewähr­ter
Zusam­men­ar­beit mit den Spar­kas­sen eine Lösung für die öffentlich-rechtlichen
Lan­des­ban­ken errei­chen. Wich­tig ist: Die­ser Fusi­ons­pro­zess darf nicht zum
Ein­falls­tor für Pri­va­ti­sie­run­gen der öffentlich-rechtlichen Lan­des­ban­ken und der
Spar­kas­sen werden.

Der Staat als Part­ner der Bür­ger
Unser Kon­zept heißt „Part­ner Staat“. Es steht für den rich­ti­gen Weg zwi­schen „Pri­vat
vor Staat“ und „Staat statt Pri­vat“. Denn: Nur die Star­ken kön­nen sich einen
schwa­chen Staat und nur die Rei­chen einen armen Staat leis­ten. Alle ande­ren
brau­chen einen Staat, der gute Schu­len, moderne Infra­struk­tur und funk­tio­nie­rende
öffent­li­che Sicher­heit bie­tet. Für uns ist der akti­vie­rende, gestal­tende und
part­ner­schaft­li­che Staat ein unver­zicht­ba­res Instru­ment der sozia­len Demo­kra­tie. Er
muss die Kul­tur der sozia­len Ver­ant­wor­tung und das bür­ger­schaft­li­che Enga­ge­ment
för­dern und allen Bür­ge­rin­nen und Bür­gern glei­chen Zugang zu den grund­le­gen­den
Leis­tun­gen der Daseins­vor­sorge ermöglichen.

Staat­li­che Daseins­vor­sorge ist für uns nicht pri­va­ti­sier­bar. Des­halb müs­sen
Was­ser­ver– und Abwas­ser­ent­sor­gung, Per­so­nen­nah­ver­kehr und die
Haus­müll­ent­sor­gung in öffent­li­cher Ver­ant­wor­tung garan­tiert blei­ben. In der
Ener­gie­ver­sor­gung brau­chen wir unsere Stadt­werke, um öffent­li­che Ver­ant­wor­tung
durch mehr Wett­be­werb zu garan­tie­ren. Men­schen und Unter­neh­men erwar­ten von
der Daseins­vor­sorge ein brei­tes Spek­trum an Leis­tun­gen von hoher Qua­li­tät zu
erschwing­li­chen Prei­sen. Die Kom­mu­nen haben gezeigt, dass am Gemein­wohl
ori­en­tierte Dienst­leis­tun­gen für jeden Men­schen zur Ver­fü­gung ste­hen und diese
auch flä­chen­de­ckend erbracht wer­den. Es kann nicht sein, dass unsere Städte und
Gemein­den nur noch bloße Stand­orte pri­va­ti­sier­ter Ver– und Ent­sor­gungs­kon­zerne,
kom­mer­zi­el­ler Sport– und Frei­zeit­ein­rich­tun­gen und sozi­al­ge­werb­li­cher Ein­rich­tun­gen
wer­den. Wir ste­hen für eine Poli­tik, in der auch öffent­li­che Unter­neh­men ren­ta­bel
arbei­ten können.

Woh­nen braucht Sicher­heit
Die der­zei­ti­gen gesetz­li­chen Ein­wir­kungs­mög­lich­kei­ten sind, wie auch Bei­spiele aus
der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit gezeigt haben, kei­nes­wegs aus­rei­chend, um betrof­fe­nen
Mie­tern den not­wen­di­gen Schutz zu geben.

Die Beschnei­dung der Mie­ter­rechte durch die schwarz-gelbe Lan­des­re­gie­rung, der
Ver­kauf der Lan­des­ent­wick­lungs­ge­sell­schaft (LEG) mit ihren 93.000 Woh­nun­gen an
inter­na­tio­nale Immo­bi­li­en­spe­ku­lan­ten und die Auf­lö­sung des
Lan­des­woh­nungs­bau­ver­mö­gens haben den Woh­nungs­markt in NRW mas­siv
ver­än­dert und die Situa­tion für Mie­te­rin­nen und Mie­ter, gemein­wohlo­ri­en­tierte
Ver­mie­ter und die Kom­mu­nen verschlechtert.

Der von der jet­zi­gen Lan­des­re­gie­rung betrie­bene Aus­ver­kauf im sozia­len
Woh­nungs­bau hat zu stei­gen­den Mie­ten gerade dort geführt, wo die Ein­kom­men
beson­ders nied­rig sind. Inter­na­tio­nale Immo­bi­li­en­spe­ku­lan­ten ver­nach­läs­si­gen ihre
Woh­nungs­be­stände und sind für Städte und Mie­ter nicht ansprech­bar. Ganze
Quar­tiere ver­fal­len. Eine steu­ernde Wohn­raum­po­li­tik ist nicht mehr mög­lich. Das
wer­den wir ändern.

Wir wer­den Mie­ter schüt­zen und den Woh­nungs­markt gestalten:

  • Wir ste­hen an der Seite des Mie­ter­bun­des und sei­ner Ver­eine, um unso­ziale
    Ein­griffe im Miet­recht abzu­wen­den und rück­gän­gig zu machen. Wir set­zen uns für
    die Wie­der­ein­füh­rung der Kün­di­gungs­sperr­frist­ver­ord­nung und die kon­se­quente
    Anwen­dung des Woh­nungs­ge­set­zes NRW ein. Die im Bund geplante Ände­rung der
    Kün­di­gungs­fris­ten leh­nen wir ab. Statt­des­sen set­zen wir uns für einen bes­se­ren
    Schutz der Mie­te­rin­nen und Mie­ter vor Immo­bi­li­en­spe­ku­lan­ten ein.
  • Wir stär­ken die Kom­mu­nen. Sie brau­chen wirk­same Instru­mente, um den
    Woh­nungs­markt zu gestal­ten. Wir füh­ren die Bele­gungs­bin­dungs­ver­ord­nung wie­der
    ein und wer­den über Immo­bi­lien– und Stand­ort­ge­mein­schaf­ten des Woh­nens den
    Kom­mu­nen ein Instru­ment in die Hand geben, mit dem sie in den Quar­tie­ren
    Ver­mie­ter zu Inves­ti­tio­nen moti­vie­ren kön­nen. Son­der­fonds bei der NRW.Bank und
    beim Bund sol­len ermög­li­chen, dass die Woh­nun­gen der Immo­bi­li­en­spe­ku­lan­ten
    auf­ge­kauft wer­den kön­nen. Wir wer­den die Kom­mu­nen bei der Erstel­lung von
    Wohn­raum­kon­zep­ten auch finan­zi­ell unter­stüt­zen, denn diese sind die Basis für gute
    Arbeit in den Kommunen.
  • Wir wer­den den sozia­len Woh­nungs­bau stär­ken und ihn zukunfts­fä­hig machen.
    Wir sor­gen für eine sichere Finan­zie­rung des sozia­len Woh­nungs­baus, denn wir
    brau­chen mehr und nicht weni­ger Sozi­al­woh­nun­gen. Die Woh­nun­gen müs­sen
    ener­ge­tisch saniert, Bar­rie­ren müs­sen besei­tigt werden.
  • Mit uns bleibt Woh­nen bezahl­bar. Ener­ge­ti­sche Sanie­rung darf für Mie­ter und
    Ver­mie­ter nicht zum Ver­lust­ge­schäft wer­den. Damit die stei­gen­den Mie­ten nicht die
    Ein­spa­run­gen für Ener­gie auf­fres­sen, ver­bes­sern wir die För­der­mög­lich­kei­ten durch
    das Land und set­zen uns dafür ein, dass die Abschrei­bungs­mög­lich­kei­ten im Bund
    ange­passt werden.
  • Wir stär­ken soziale Ver­mie­ter in den Quar­tie­ren. Mit einer Stif­tung “Woh­nungs­und
    Städ­te­bau NRW” wer­den wir die Arbeit gemein­wohlo­ri­en­tier­ter Ver­mie­ter
    unter­stüt­zen. Diese Stif­tung soll Maß­nah­men för­dern, die das Wohn­um­feld stär­ken
    und so die Inves­ti­tio­nen der Ver­mie­ter in die Woh­nungs­be­stände ergänzen.

Stadt und Land – neue Alli­anz für die Zukunft

Die SPD will die Alli­anz von Stadt und Land stär­ken: Wer eine gute Poli­tik für die
Men­schen in den länd­li­chen Räu­men machen möchte, muss neben einer
nach­hal­ti­gen Land­wirt­schafts­po­li­tik vor allem auch die Lebens­qua­li­tät und die
Per­spek­ti­ven von jun­gen Men­schen, von Fami­lien sowie der älte­ren Gene­ra­tion
för­dern und die Ent­wick­lung von Wert­schöp­fung und Infra­struk­tur im länd­li­chen
Raum sichern. Die SPD steht für eine Poli­tik, die die Land­wirt­schafts­po­li­tik in eine
„Poli­tik für die länd­li­chen Räume“ integriert.

Die EU-Agrarpolitik wird ab 2013 sich stär­ker am Markt ori­en­tie­ren und ihr wer­den
ins­ge­samt weni­ger Finanz­mit­tel zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Land­wirte in NRW
müs­sen sich dann dem inter­na­tio­na­len Wett­be­werb stel­len. Die Libe­ra­li­sie­rung der
Agrar­märkte darf aber kei­nes­falls dazu füh­ren, dass die land­wirt­schaft­li­che
Pro­duk­tion in den benach­tei­lig­ten Regio­nen unse­res Lan­des gefähr­det wird. Denn
dann wären zugleich die Leis­tun­gen der Land­wirte für den Erhalt von Natur und
Land­schaft und zum Schutz der Umwelt nicht mehr gewähr­leis­tet. Diese Leis­tun­gen
müs­sen wir im Rah­men einer auf Nach­hal­tig­keit aus­ge­rich­te­ten Agrar­po­li­tik künf­tig
stär­ker entlohnen.

Dazu muss die so genannte „Zweite Säule“ des EU-Agrarfonds gestärkt wer­den, um
in Zukunft Pro­gramme für eine mul­ti­funk­tio­nale, flä­chen­de­ckende und
umwelt­freund­li­che Land­be­wirt­schaf­tung bezah­len zu kön­nen. Eine Mög­lich­keit dafür
ist die schritt­weise ver­stärkte Modu­la­tion der Direkt­zah­lun­gen der EU-Agrarhilfen. So
kön­nen die Land­wirte ihre Auf­gabe und Funk­tion erfül­len, die Men­schen mit
gesun­den Nah­rungs­mit­teln zu ver­sor­gen und als Heger und Pfle­ger der Land­schaft
zu wirken.

Länd­li­che Räume sind in wei­ten Tei­len Natur­räume oder natur­nahe Räume. Dar­aus
erge­ben sich beson­dere Anknüp­fungs­punkte für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung. Die
in Nordrhein-Westfalen vor­zu­fin­den­den Kul­tur­land­schaf­ten, Natur­denk­mä­ler oder
Wald­ge­biete bie­ten ver­schie­denste Mög­lich­kei­ten, um Wertschöpfungsketten/Cluster
zu ent­wi­ckeln, die an diese Natur­räume und deren Roh­stoffe anknüpfen.

Die SPD wird in ihrem Pro­gramm “Stadt und Land – eine Alli­anz für die Zukunft“
meh­rere Berei­che mit beson­de­rem Ent­wick­lungs­po­ten­zial identifizieren.

  • Die länd­li­chen Räume haben im Bereich Tou­ris­mus beson­dere Chan­cen, um neue
    Arbeits­plätze zu schaf­fen. Durch die Nähe zu den Bal­lungs­zen­tren besteht gene­rell
    ein gro­ßes Nach­fra­ge­po­ten­zial. Des­halb müs­sen die Kul­tur­land­schaf­ten und die
    tou­ris­ti­sche Infra­struk­tur erhal­ten und ent­wi­ckelt werden.
  • In den länd­li­chen Räu­men erschlie­ßen sich für die erneu­er­ba­ren Ener­gien
    zahl­rei­che Mög­lich­kei­ten. Die Gewin­nung und Nut­zung der unter­schied­li­chen For­men
    von Bio­masse zur Ener­gie­ge­win­nung eröff­nen für die länd­li­che Räume neue Fel­der
    der regio­na­len Wertschöpfung.
  • In den länd­li­chen Räu­men wer­den die Roh­stoffe für die Ernäh­rungs­wirt­schaft von
    NRW pro­du­ziert. Wir for­dern eine Initia­tive, die Land­wirt­schaft, Ernäh­rungs­hand­werk
    und Lebens­mit­tel­in­dus­trie stär­ker ver­zahnt und so ein NRW-Netzwerk “Ernäh­rung“
    schafft. Dabei soll die Pro­duk­tion, Ver­ar­bei­tung und Ver­mark­tung ökolo­gi­scher und
    regio­nal erzeug­ter Agrar­pro­dukte einen beson­de­ren Schwer­punkt bil­den. Dies kann
    durch eine Her­kunfts­be­zeich­nung wei­ter unter­stützt werden.
  • Die Forst– und Holz­wirt­schaft stellt für NRW einen bedeu­ten­den Wirt­schafts­fak­tor
    dar. Die­ser Sek­tor erwirt­schaf­tet einen Umsatz von ca. 35 Mrd. €. Mit einer wei­te­ren
    Aus­schöp­fung die­ser Poten­ziale las­sen sich im länd­li­chen Raum als auch in der
    Wei­ter­ver­ar­bei­tung Wachs­tum und Beschäf­ti­gung schaffen.

Wer im länd­li­chen Raum lebt, braucht Per­spek­ti­ven. Darum müs­sen wir Modelle zum
Erhalt und zur Wei­ter­ent­wick­lung der Infra­struk­tur (z.B. medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung,
Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gie, Woh­nen, Nah­ver­sor­gung, Mobi­li­tät und Aus­bil­dung)
erprobt und umge­setzt werden.

Ehren­amt ermög­licht sozia­les Leben
Die sozi­al­de­mo­kra­tisch geführte Lan­des­re­gie­rung wird die viel­fäl­ti­gen For­men des
ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments för­dern, im Sport, in den Kir­chen und den
Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten, im Bereich der Kul­tur, beim Schutz der natür­li­chen
Lebens­grund­la­gen oder bei der Betreu­ung von Men­schen mit Behin­de­run­gen.
Wohl­fahrts­ver­bän­den und Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen kommt eine beson­dere Rolle bei der
För­de­rung und Ein­bin­dung ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments zu. Jugend­ver­bands­ar­beit
bei­spiels­weise erfüllt einen wich­ti­gen gesell­schaft­li­chen Auf­trag und trägt dazu bei,
die Werte der soli­da­ri­schen Gesell­schaft auf­recht zu halten.

In den sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Bun­des­re­gie­run­gen sind, zuletzt mit der Initia­tive „Hil­fen
für Hel­fer“, immer wie­der Ver­bes­se­run­gen für ehren­amt­lich enga­gierte Men­schen
durch­ge­setzt wor­den. Die­ser Tra­di­tion füh­len wir uns ver­pflich­tet. Zu einer „Wir–
Gesell­schaft“ gehört das Enga­ge­ment ihrer Bür­ge­rin­nen und Bür­ger. Es stärkt
Demo­kra­tie und Zusammenhalt.

Starke Kommunen

Wir wol­len eine Kul­tur der Aner­ken­nung eta­blie­ren, um die vie­len Ehren­amt­li­chen zu
ermu­ti­gen und ihre gesell­schaft­li­che Bedeu­tung stär­ker zu eta­blie­ren. Dar­über
hin­aus wol­len wir den recht­li­chen Sta­tus enga­gier­ter Men­schen wei­ter stär­ken. Ihre
Akti­vi­tä­ten müs­sen gegen Risi­ken und Scha­den­fälle abge­si­chert werden.

Die Feu­er­weh­ren in Nordrhein-Westfalen leis­ten eine her­vor­ra­gende Arbeit. Sie
haben mehr Auf­merk­sam­keit und Unter­stüt­zung ver­dient als ihnen unter schwarz­gelb
zu Teil wurde. Das ehren­amt­li­che Enga­ge­ment in den Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren
ist durch nichts zu erset­zen. Unter dem Ein­satz des eige­nen Lebens und ihrer
Gesund­heit neh­men zehn­tau­sende Frei­wil­lige eine staat­li­che Auf­gabe wahr. Um die
Zukunft der Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren ange­sichts der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lung zu
sichern, wird die neue Lan­des­re­gie­rung die Rah­men­be­din­gun­gen ver­bes­sern und
eine Kam­pa­gne für ein Enga­ge­ment in den Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren star­ten, die
auch andere Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen mit ein­schlie­ßen wird. Zusam­men mit den
Kom­mu­nen wer­den wir einen Ein­stieg in die Gewäh­rung einer Ehren­rente für
jah­re­lan­ges Enga­ge­ment in den Ein­satz­kräf­ten der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr finden.

Kir­chen und Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten
Reli­gio­nen und Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten gehö­ren zu NRW. Mit ihren viel­fäl­ti­gen
Ver­bän­den und Ein­rich­tun­gen stär­ken sie das gesell­schaft­li­che und soziale Leben in
unse­rem Land. Wir beken­nen uns zu den in der Lan­des­ver­fas­sung
fest­ge­schrie­be­nen Grund­la­gen und Rech­ten. Wir suchen das Gespräch mit den
Reli­gio­nen und Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten und schät­zen sie als Koope­ra­ti­ons­part­ner
bei gemein­sa­men Auf­ga­ben. Ein kla­rer und in gut nach­bar­schaft­li­chem Geist
geführ­ter Dia­log zwi­schen den Reli­gio­nen ist erfor­der­lich. Wir ste­hen für einen
Reli­gi­ons­un­ter­richt, in dem reli­giöse Tra­di­tion mit den Her­aus­for­de­run­gen unse­rer
moder­nen Gesell­schaft kon­fron­tiert wird. Die nicht­christ­li­chen Reli­gio­nen erhal­ten die
not­wen­dige Unter­stüt­zung beim Auf­bau ihres Religionsunterrichts.

Gemein­sam gegen Rechts
Wir ächten jede Form von Extre­mis­mus, Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus. Und wir
dul­den nicht, dass unsere Städte und Gemein­den zum Auf­marsch­ge­biet
neo­na­zis­ti­scher Demons­tra­tio­nen wer­den. Wegen der anhal­ten­den Bedro­hung durch
den Rechts­ex­tre­mis­mus wer­den wir für unser Land ein Hand­lungs­kon­zept für die
Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Rechts­ex­tre­mis­mus erar­bei­ten. Dies soll im Dia­log mit
zivil­ge­sell­schaft­li­chen Initia­ti­ven gesche­hen, die sich für Demo­kra­tie und Tole­ranz
ein­set­zen. Von beson­de­rer Bedeu­tung ist für uns die Stär­kung der poli­ti­schen
Bil­dungs­ar­beit, die zur Auf­ar­bei­tung und Wei­ter­ent­wick­lung der Erin­ne­rungs­kul­tur
unbe­dingt dazu gehört. Wir set­zen uns für ein NPD-Verbot ein und wer­den dazu eine
ent­spre­chende Initia­tive über den Bun­des­rat einleiten.

Direkte Demo­kra­tie stär­ken
Wir wer­den die direkte Demo­kra­tie in unse­rem Land stär­ken. Wir wol­len es den
Initia­ti­ven – wie in vie­len ande­ren Bun­des­län­dern üblich – ermög­li­chen, die
benö­tig­ten Unter­schrif­ten für ein Volks­be­geh­ren frei zu sam­meln. Die dafür gesetzte
Frist von acht Wochen nach Anmel­dung des Begeh­rens wer­den wir auf zwölf
Wochen aus­wei­ten. Wir wer­den die Zustim­mungs­hürde bei Bür­ger­ent­schei­den nach
Gemein­de­grö­ßen staffeln.

Wir wer­den die poli­ti­sche Initia­tive ergrei­fen, das Wahl­al­ter auch bei Land­tags­wahlen
auf 16 Jahre abzu­sen­ken. Dies wird durch eine bes­sere poli­ti­sche Bil­dung die­ser
Alters­gruppe flankiert.

Den öffent­li­chen Dienst zukunfts­fest machen
Die Men­schen erwar­ten zu Recht eine funk­tio­nie­rende öffent­li­che Infra­struk­tur, z.B.
mit gut aus­ge­bil­de­ten Erzie­he­rin­nen in Kin­der­gär­ten und Schu­len, Poli­zis­ten und
Feu­er­wehr­leu­ten, die nicht an der Grenze zur Über­las­tung arbei­ten müs­sen, und
eine bür­ger­nahe und effi­zi­ente Verwaltung.

Starke Kommunen

In den kom­men­den Jah­ren steht der öffent­li­che Dienst in unse­rem Land auf­grund
sei­ner demo­gra­fi­schen Struk­tur vor einem gro­ßen per­so­nel­len Umbruch. Die Poli­tik
muss die Attrak­ti­vi­tät des öffent­li­chen Diens­tes stär­ken und den Mit­ar­bei­te­rin­nen und
Mit­ar­bei­tern wie­der neue Per­spek­ti­ven eröff­nen. Der Öffent­li­che Dienst soll der
demo­kra­ti­schen Gesell­schaft die­nen und mit fach­li­cher Kom­pe­tenz, Moti­va­tion und
Leis­tungs­fä­hig­keit seine Auf­ga­ben zur Zufrie­den­heit aller gesell­schaft­li­chen Grup­pen
erfül­len kön­nen. Bau­steine hier­für sind die Moder­ni­sie­rung der Ver­wal­tung und ein
neues Dienst­recht. Die Per­so­nal­ent­wick­lung muss selbst­ver­ständ­lich ein inte­grier­ter
Bestand­teil einer moder­nen Ver­wal­tung sein. Dazu gehört auch die inter­kul­tu­relle
Öffnung des Öffent­li­chen Diens­tes. Hierzu ist es erfor­der­lich, ver­stärkt
Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­beit mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund einzustellen.

In der Ver­gan­gen­heit hat der öffent­li­che Dienst einen gro­ßen Bei­trag zur
Kon­so­li­die­rung der öffent­li­chen Haus­halte geleis­tet. Die Mit­ar­bei­te­rin­nen und
Mit­ar­bei­ter haben zahl­rei­che Ver­än­de­run­gen ihrer Arbeits­be­din­gun­gen erlebt und
mate­ri­elle Ein­bu­ßen hin­neh­men müs­sen. Trotz stei­gen­der Steu­er­ein­nah­men hat die
schwarz-gelbe Lan­des­re­gie­rung den öffent­li­chen Dienst wei­ter belas­tet: Neue
Son­der­op­fer und der Abbau von Mit­be­stim­mungs­rech­ten haben zu gro­ßer
Unzu­frie­den­heit, stär­ke­rer Arbeits­ver­dich­tung, gesun­ke­ner Moti­va­tion und
Ver­trau­ens­ver­lust beige­tra­gen. Mit uns wird es keine Kün­di­gun­gen im öffent­li­chen
Dienst geben.

Mit­be­stim­mung stär­ken
Die schwarz-gelbe Lan­des­re­gie­rung hat mit der Ände­rung des
Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­set­zes bis dahin beste­hende Mit­be­stim­mungs­rechte
deut­lich ein­ge­schränkt sowie viele Mit­be­stim­mungs­tat­be­stände durch
Anhö­rungs­rechte ersetzt. Das wer­den wir rück­gän­gig machen.

Im Dia­log mit Per­so­nal­rä­ten und Gewerk­schaf­ten wer­den wir eine Dienst­rechts­re­form
nach dem Grund­satz “Koope­ra­tion statt Kon­fron­ta­tion” auf den Weg brin­gen.
Zen­trale Punkte sind für uns dabei die Ver­ein­fa­chung des Lauf­bahn­rechts und eine
Redu­zie­rung der Fach­lauf­bah­nen. Der Wech­sel des Dienst­herrn und der Wech­sel
zwi­schen öffent­li­cher Ver­wal­tung, Wirt­schaft und inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­tio­nen
muss erleich­tert wer­den. Bei der Bezah­lung soll das Leis­tungs­prin­zip neben das
Ali­men­ta­ti­ons­prin­zip tre­ten. Der Leis­tungs– und Erfah­rungs­auf­stieg soll das
Senio­ri­täts­prin­zip ablösen.

Wir wer­den das LPVG novel­lie­ren, um zu gewähr­leis­ten, dass Per­so­nal­rat und
Dienst­stel­len­lei­tun­gen sich künf­tig weder auf Augen­höhe begeg­nen kön­nen.
Wir stre­ben eine Ergän­zung der Lan­des­ver­fas­sung an, mit der die Mit­be­stim­mung im
öffent­li­chen Dienst auf eine ver­fas­sungs­recht­lich sichere Grund­lage gestellt wird.

In Sicher­heit und Frei­heit leben
Sicher­heit und Frei­heit dür­fen nicht gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den. Wir wol­len
best­mög­li­che Sicher­heit für alle garan­tie­ren und die Aus­übung indi­vi­du­el­ler
Frei­heits­rechte für jeder­mann gewähr­leis­ten. Unsere Bür­ger wün­schen sich Frei­heit
und Sicher­heit. Der demo­kra­ti­sche Staat des Grund­ge­set­zes bürgt für die Men­schen­und
Bür­ger­rechte und setzt sich für die Sicher­heit sei­ner Bür­ger ein, damit diese
Frei­heit, Demo­kra­tie und Wohl­stand genie­ßen kön­nen. Das bleibt die Richt­schnur
sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Poli­tik für die innere Sicher­heit in Nordrhein-Westfalen.

Die von der SPD-Landtagsfraktion im letz­ten Jahr vor­ge­legte gesetz­li­che Novelle
zum Poli­zei– und Ver­fas­sungs­schutz­ge­setz folgt die­sem Ziel. Wo den
Sicher­heits­be­hör­den neue oder erwei­terte Befug­nisse zur Bekämp­fung des
trans­na­tio­na­len Ter­ro­ris­mus oder ande­rer schwers­ter Ver­bre­chen zuge­stan­den
wer­den, sind diese vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts genau beschrie­ben und einer
effek­ti­ve­ren rich­ter­li­chen oder par­la­men­ta­ri­schen Kon­trolle unter­wor­fen. Daran wird
sich unsere Sicher­heits­po­li­tik zuver­läs­sig ori­en­tie­ren, damit Frei­heit und Sicher­heit in
einen zeit­ge­mä­ßen Aus­gleich gebracht werden.

Die gute Tra­di­tion sozi­al­de­mo­kra­ti­scher Innen­po­li­tik reicht von Her­bert Schnoor bis
Fritz Beh­rens. Die schwarz-gelben Lan­des­re­gie­rung hat mit ihr gebro­chen. Weder
die Frei­heits­rechte noch das Sicher­heits­be­dürf­nis der Bür­ger sind in den letz­ten
Jah­ren in guten Hän­den gewe­sen. Laut­starke Paro­len gin­gen Hand in Hand mit
kon­kre­ter Untätigkeit.

Die schwarz-gelbe Lan­des­re­gie­rung hat fünf Jahre lang ihre Inkom­pe­tenz und
Igno­ranz in der nordrhein-westfälischen Innen­po­li­tik unter Beweis gestellt. Mit der
Novelle des Ver­fas­sungs­schutz­ge­set­zes ist sie vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in
Karls­ruhe geschei­tert, weil sie die Bür­ger– und Frei­heits­rechte in Gefahr gebracht
hat. Statt das Ver­bre­chen zu bekämp­fen, bekämpft sie die Poli­zei und vor allem: Es
gibt in NRW nicht mehr, son­dern weni­ger Poli­zei als unter der letz­ten rot-grünen
Lan­des­re­gie­rung. Wir ste­hen für eine Innen­po­li­tik, die die Sicher­heit und die Frei­heit
der Bür­ger schützt. Wir wer­den der Poli­zei neue Per­spek­ti­ven bie­ten, indem wir den
Per­so­nal­ab­bau stop­pen, ein Kon­zept zur Alter­struk­tur­ent­wick­lung erar­bei­ten und ein
moder­nes Gesund­heits­ma­nage­ment ein­füh­ren. Wir wer­den aber auch die
Trans­pa­renz und Nach­prüf­bar­keit poli­zei­li­chen Han­delns ver­bes­sern. Die Poli­zei in
Nordrhein-Westfalen leis­tet her­vor­ra­gende Arbeit. Ihre Arbeit ver­dient Respekt und
Aner­ken­nung. Die Poli­zis­tin­nen und Poli­zis­ten dür­fen nicht zu Lücken­bü­ßern und
Prü­gel­kna­ben für das Ver­sa­gen gesell­schaft­li­cher Insti­tu­tio­nen wer­den. Gewalt
gegen Poli­zei­be­amte ver­fol­gen mit allen rechts­staat­li­chen Mitteln.

Somit ver­nach­läs­sigte Schwarz-gelb bei­des: Die Kon­trolle staat­li­cher Macht, die die
Ein­hal­tung und Aus­ge­stal­tung der Frei­heits­rechte erst garan­tiert und die aus unse­rer
Ver­fas­sung abzu­lei­tende Schutz­pflicht des demo­kra­ti­schen Staa­tes gegen­über
hoch­wer­ti­gen Rechtsgütern.

Die neue sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Lan­des­re­gie­rung wird die bewährte
sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Innen­po­li­tik fort­set­zen. Wir fol­gen der Ein­sicht: „Die
Behaup­tung, dass, wer Sicher­heit wünscht, die Frei­heit auf­ge­ben muss, ist eine der
Haupt­stüt­zen der Revolte gegen die Frei­heit gewor­den. Aber die Behaup­tung ist
falsch.“ (K. R. Pop­per) Die Leit­li­nie unse­rer Poli­tik lau­tete Frei­heit und Sicherheit.

Innere Sicher­heit gehört für uns unver­zicht­bar zur sozia­len Sicher­heit. Die Men­schen
haben ein Recht auf und die Pflicht zur Gewalt­frei­heit. Sin­kende Fall­zah­len in der
Kri­mi­nal­sta­tis­tik nut­zen nichts, wenn das sub­jek­tive Sicher­heits­ge­fühl der Men­schen
zu objek­ti­ven Ände­run­gen im Ver­hal­ten führt. Wir fin­den uns nicht damit ab, dass in
Nordrhein-Westfalen Angst­räume ent­stan­den sind.

Wir set­zen auf den Drei­klang von Prä­ven­tion, der kon­se­quen­ten Ver­fol­gung von
Straf­ta­ten und den Opfer­schutz. Gerade in der Medi­en­ge­sell­schaft fokus­sie­ren wir zu
stark auf die Täter und ver­lie­ren die Opfer von Straf­ta­ten leicht aus den Augen.
Wir wer­den ein zukunfts­ori­en­tier­tes Sicher­heits­kon­zept ent­wi­ckeln, in dem keine
rechts­freien Räume gedul­det wer­den, mit dem neue Kri­mi­na­li­täts­fel­der bes­ser
aus­ge­leuch­tet und die Kri­mi­na­li­tät wirk­sa­mer bekämpft wer­den kann.

Wir wis­sen: Gute Poli­zei­ar­beit bedeu­tet Bür­ger­nähe und Prä­senz auf der Straße.
Diese ist in der Ver­gan­gen­heit ver­nach­läs­sigt wor­den und ist im Rah­men von
poli­zei­struk­tu­rel­len Refor­men zu ver­bes­sern. Für uns gibt es in der Innen­po­li­tik
jedoch kein „Pri­vat vor Staat“. Des­we­gen leh­nen wir eine Wach­po­li­zei ab, die den
Weg in die Pri­va­ti­sie­rung staat­li­cher Sicher­heits­leis­tun­gen ebnet. Sicher­heit darf kein
käuf­li­ches Gut wer­den. Genau so wenig wird es mit uns einen Weg in den
Über­wa­chungs­staat geben, wie ihn die CDU gehen will. Die totale Erfas­sung und
Über­wa­chung von Bür­ge­rin­nen und Bür­gern schafft nicht mehr Sicher­heit son­dern
sorgt für mehr Unsi­cher­heit und Miss­trauen gegen­über dem demo­kra­ti­schen Staat.
Den Ein­satz der Bun­des­wehr im Innern zu poli­zei­li­chen Zwe­cken leh­nen wir
ent­schie­den ab. Zum Schutz der Bevöl­ke­rung im Kata­stro­phen­fall oder zur
tech­ni­schen Hilfe bei schwe­ren Unglücks­fäl­len ist die Bun­des­wehr seit Jahr­zehn­ten
uner­läss­li­cher und ver­läss­li­cher Part­ner aller im Bevöl­ke­rungs­schutz täti­gen
Orga­ni­sa­tio­nen und Behörden.

Wir wer­den das Ver­trauen in eine demo­kra­ti­sche und frei­heit­li­che Poli­tik der inne­ren
Sicher­heit wie­der stärken.

Eine von der SPD geführte Lan­des­re­gie­rung wird die Jus­tiz wie­der ange­mes­sen
per­so­nell aus­stat­ten, damit nie­mand durch über­lange Ver­fah­rens­dau­ern
abge­schreckt wird, seine Rechte zu ver­tei­di­gen. Gerade im Bereich des
Jugend­straf­rechts gilt es, die Ver­fah­rens­dau­ern mas­siv zu ver­kür­zen. Hier steht der
erzie­he­ri­sche Aspekt im Vor­der­grund. Dies kann nur dann funk­tio­nie­ren, wenn der
Tat nach ange­mes­se­ner Zeit die Sank­tion folgt. Wir brau­chen eine neue Qua­li­tät der
Ver­net­zung zwi­schen Jugend­hilfe und Straf­ver­fol­gung, in Anleh­nung an die
Emp­feh­lun­gen der soeben been­de­ten Enquete-Kommission „Prä­ven­tion“. Vor
die­sem Hin­ter­grund wol­len wir das „Haus des Jugend­rechts“ nach dem Köl­ner Modell
aus­bauen und um den Bereich Jugend­hilfe erwei­tern. Dies ist ent­schei­dend, um
vor­beu­gend in die gezielte erzie­he­ri­sche För­de­rung und Beglei­tung von
Jugend­li­chen zu inves­tie­ren, bei denen nur eine rela­tiv kleine Gruppe von
Inten­siv­tä­tern das Gros der Straf­ta­ten ver­ur­sacht. Der beste Ansatz zur Ver­hin­de­rung
kri­mi­nel­ler Kar­rie­ren ist eine mög­lichst früh ein­set­zende Prä­ven­tion durch frühe Hilfe,
inten­siv­päd­ago­gi­sche Betreu­ung und einer geziel­ten Kon­trolle von mehr­fach
auf­fäl­li­gen Kin­dern und Jugendlichen.

Zur Ent­las­tung der Gerichte wer­den wir außer­dem die außer­ge­richt­li­che
Streit­schlich­tung stärken.

Wir ste­hen für eine strikte Tren­nung der Auf­ga­ben von Poli­zei und Geheim­diens­ten
und eine wirk­sa­mere, par­la­men­ta­ri­sche Kontrolle.

Das ansatz­lose Scan­nen von Kfz-Kennzeichen und andere auto­ma­ti­sierte
Iden­ti­fi­zie­rungs­ver­fah­ren, z.B. flä­chen­de­ckende Video­über­wa­chung leh­nen wir ab.
Rauch­mel­der hel­fen Brände bes­ser und schnel­ler zu bekämp­fen. Sie ret­ten
nach­weis­lich Leben. Des­halb wer­den wir eine all­ge­meine Pflicht zur Instal­la­tion von
Rauch­mel­dern in Pri­vat­woh­nun­gen einführen.

Innere Sicher­heit aber ist mehr als Poli­zei und Jus­tiz. Wir müs­sen wie­der eine Wir–
Gesell­schaft wer­den, in der hin­ge­se­hen wird, in der man für­ein­an­der ein­steht. Statt
viel Geld in die wirt­schaft­li­che Jugend­hilfe zu inves­tie­ren, wenn Jugend­li­che straf­fäl­lig
wer­den, müs­sen wir durch gute Bil­dung und Aus­bil­dung dafür sor­gen, dass Kin­der
und Jugend­li­che den rich­ti­gen Weg ein­schla­gen. Des­halb wer­den wir auch den
Lan­des­ju­gend­plan wie­der um 20 Mil­lio­nen auf min­des­tens 96 Mil­lio­nen Euro
auf­sto­cken, um damit die offene Jugend­ar­beit zu stär­ken und wei­ter zu entwickeln.

NRW im Bund, in Europa und der Einen Welt
NRW liegt im Her­zen Euro­pas und Europa liegt der SPD beson­ders am Her­zen. Seit
1951 haben Sozi­al­de­mo­kra­tin­nen und Sozi­al­de­mo­kra­ten aus unse­rem Land den
euro­päi­schen Eini­gungs­pro­zess ent­schei­dend vor­an­ge­bracht – von der Mon­tan­union
bis zur EU 27, von der Mit­be­stim­mung, dem Aus­schuss der Regio­nen bis zur
Kul­tur­haupt­stadt Ruhr2010. Namen wie Hein­rich Imig, Katha­rina Focke oder
Johan­nes Rau ste­hen für diese Tra­di­tion. Die SPD bleibt an der Spitze derer, die
grenz­über­schrei­tend und nach­bar­schaft­lich die Poli­tik gestal­ten und nach dem
Prin­zip „mit­ein­an­der arbei­ten und von­ein­an­der ler­nen“ dau­er­haf­ten Frie­den und eine
soli­da­ri­sche Gesell­schaft durchsetzen.

Mit dem Lissabon-Vertrag von 2009 wur­den die Demo­kra­tie und spe­zi­ell die
Betei­li­gungs­rechte der Län­der an den Ent­schei­dun­gen der Euro­päi­schen Union
gestärkt. Wir wol­len auf Grund­lage der Sub­si­dia­ri­tät die Inter­es­sen Nord­rhein–
West­fa­lens in Europa ver­tre­ten und unser gemein­sa­mes Europa sozial gestal­ten. Wir
tun dies in dem Bewusst­sein, dass die euro­päi­sche Eini­gung in unse­rem Inter­esse
liegt.

Wir wer­den und dafür ein­set­zen, dass diese erst­mals im Lis­sa­bon­ver­trag
aus­ge­wie­se­nen stär­ke­ren Rechte der kom­mu­na­len Selbst­ver­wal­tung kon­se­quent
wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Wir wer­den uns für wei­ter­ge­hende grenz­über­grei­fende
regio­nale und kom­mu­nale Ver­bünde gerade in den Grenz­re­gio­nen unse­res Lan­des
einsetzen.

NRW ist mit 18 Mil­lio­nen Ein­woh­nern größte Region Euro­pas. Unser Land ist
erfah­ren in den Her­aus­for­de­run­gen des Struk­tur­wan­dels und der Stär­kung des
sozia­len Zusam­men­halts. Diese Erfah­run­gen brin­gen wir in den euro­päi­schen
Gestal­tungs­pro­zess ein.

Die Euro­päi­sche Regio­nal– und Struk­tur­po­li­tik für die Zeit nach 2014 wird in den
nächs­ten Jah­ren vor­be­rei­tet und bis 2013 auch beschlos­sen wer­den. Die
sozi­al­de­mo­kra­tisch geführte Lan­des­re­gie­rung wird ihre Ver­ant­wor­tung wahr­neh­men
und mit eige­nen Vor­schlä­gen auf Basis nordrhein-westfälischer Inter­es­sen in den
Dis­kus­si­ons– und Ent­schei­dungs­pro­zess eingreifen.

Die von der jet­zi­gen Lan­des­re­gie­rung nach der Öffnung der frü­he­ren För­der­ku­lisse
ein­ge­führte Wett­be­werbs­struk­tur hat sich als unef­fi­zi­ent und unstruk­tu­riert erwiesen.

Die För­de­rung nach dem Euro­päi­schen Fonds für regio­nale Ent­wick­lung (EFRE)
muss für die kom­mende Periode zwei Ziel­vor­ga­ben wie­der stär­ker beach­ten:
Einer­seits muss der Aus­gleich regio­na­ler Dis­pa­ri­tä­ten und Struk­tur­wan­del­pro­zesse
wie­der stär­ker in den Fokus genom­men wer­den. Ander­seits muss das nach­hal­tige
Schaf­fen von Arbeits­plät­zen in zukünf­ti­gen Leit­märk­ten wie­der einen grö­ße­ren Raum
ein­neh­men. Daher bie­tet es sich an, die NRW zur Ver­fü­gung gestell­ten Mit­tel
pari­tä­tisch auf zwei Leit­pro­gramme zu über­tra­gen. Die­ser Über­tra­gung müs­sen
meh­rere Kri­te­rien zugrunde gelegt wer­den. Indi­ka­to­ren wie Armut oder
Arbeits­lo­sig­keit sol­len zur Beur­tei­lung her­an­ge­zo­gen werden.

Europa und NRW kön­nen viel von­ein­an­der ler­nen. Wir kämp­fen für ein hoch­wer­ti­ges
Beschäf­ti­gungs­ni­veau, ein gro­ßes Maß an sozia­lem Schutz — gegen soziale
Aus­gren­zung. Die Schaf­fung eines sozia­len Euro­pas, in dem die Lebens– und
Arbeits­be­din­gun­gen der Men­schen ver­bes­sert wer­den, ist unser Ziel. Dabei bleibt die
Viel­falt der Kul­tu­ren, Tra­di­tio­nen und Struk­tu­ren in den euro­päi­schen Mit­glied­staa­ten
erhal­ten. Dies muss nicht zuletzt auch für poli­ti­sche und wirt­schaft­li­che
Beson­der­hei­ten der Mit­glieds­staa­ten gel­ten, etwa im Bereich der öffent­li­chen
recht­li­chen Spar­kas­sen in Deutschland.

Eine-Welt-Politik gestal­ten
Unser Land NRW kann auf eine lange Tra­di­tion des ent­wick­lungs­po­li­ti­schen
Enga­ge­ments ver­wei­sen. Wir wer­den die his­to­ri­schen Leis­tun­gen des Lan­des für die
Eine Welt fort­füh­ren und ver­tie­fen. Glo­bale Soli­da­ri­tät und der Kampf gegen die
Armut haben für uns hohe Prio­ri­tät, ins­be­son­dere ange­sichts der welt­wei­ten
Wirt­schafts– und Finanzkrise.

Glo­bale Ver­ant­wor­tung und nach­hal­tige Ent­wick­lung sind nach unse­rer Auf­fas­sung
eine Quer­schnitts­auf­gabe für alle Res­sorts des Lan­des NRW. Wirt­schafts­po­li­ti­sche
Ent­schei­dun­gen müs­sen im Sinne der Nach­hal­tig­keit auch an
ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Vor­stel­lun­gen gemes­sen werden.

Die bis­he­ri­gen Erfah­run­gen der ent­wick­lungs­po­li­ti­schen Bil­dung und des Glo­ba­len
Ler­nens sind in die Bil­dung für nach­hal­tige Ent­wick­lung zu wenig inte­griert. Dies
muss fes­ter Bestand­teil aller Bil­dungs­ein­rich­tun­gen werden.

Auch unser Han­deln in NRW – als einem der wich­tigs­ten Wirt­schafts­zen­tren in
Europa – bestimmt mit, wie sich die Welt künf­tig ent­wi­ckeln wird. Wir wol­len des­halb
das zivil­ge­sell­schaft­li­che Enga­ge­ment in NRW wie­der mehr unter­stüt­zen. Mit
Kom­mu­nen, Eine-Welt-Gruppen, Kir­chen, Gewerk­schaf­ten und Wirt­schaft wol­len wir
in einen Dia­log ein­tre­ten, um ein neues Kon­zept „Nach­hal­ti­ges NRW“ zu erar­bei­ten
und die Umset­zung zu ermög­li­chen. Die Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund in
NRW sind uns dabei ein wich­ti­ger Dialogpartner.

Den fai­ren Han­del gilt es zu stär­ken. Jeder kann dazu bei­tra­gen. Mit dem Kauf von
fair gehan­del­ten Pro­duk­ten wie Kaf­fee, Obst oder auch Tex­ti­lien gibt man den
Men­schen im Süden eine wirk­li­che Chance, ihr Leben selbst­be­stimmt zu füh­ren und
Unab­hän­gig­keit zu erlan­gen. Hilfe zur Selbst­hilfe muss daher das Ziel unse­rer Poli­tik
sein. Dar­über hin­aus set­zen wir uns gene­rell für faire Han­dels­be­zie­hun­gen vor allem
mit den ärme­ren Ent­wick­lungs­län­dern ein.

Wir sind stolz dar­auf, dass Bonn Stand­ort wich­ti­ger UN-Organisationen gewor­den ist.
Wir wer­den uns für Bonn als Deut­sches Nord-Süd-Zentrum einsetzen.

In NRW den Wech­sel wäh­len
Mit einem Regie­rungs­wech­sel in Nordrhein-Westfalen set­zen wir ein Zei­chen in der
Bun­des­re­pu­blik. Die schwarz-gelbe Bun­des­re­gie­rung wird die – teils durch unsin­nige
Steu­er­sen­kun­gen selbst ver­schärfte – finan­zi­elle Situa­tion als Argu­ment nut­zen,
soziale Leis­tun­gen des Staa­tes mas­siv zu kür­zen. Nordrhein-Westfalen bil­det die mit
wei­tem Abstand meis­ten Stu­die­ren­den aus. Die Abschaf­fung der Stu­di­en­ge­büh­ren
wird ein Signal für alle ande­ren Bun­des­län­der sein. Von Nordrhein-Westfalen wird
das Signal aus­ge­hen, dass die Men­schen in unse­rem Land eine Gesell­schaft des
sozia­len Mit­ein­an­ders wollen.