Solidarische Gesellschaft

Berei­che:
Fami­lie ist da, wo Kin­der sind
Kin­der­ar­mut über­win­den
Gene­ra­tio­nen­so­li­da­ri­tät stär­ken. Demo­gra­fi­schen Wan­del gestal­ten.
Das soli­da­ri­sche Gesund­heits­we­sen sichern und stär­ken
Poli­tik für Men­schen mit Behin­de­rung
Gleich­be­rech­tigt leben
Schutz und Hilfe vor Gewalt für Frauen und deren Kin­der
Inte­gra­tion voranbringen

Solidarische Gesellschaft

Nie­mand, der mit offe­nen Augen durch NRW geht, kann es über­se­hen: Die soziale
Not in unse­rem Land hat deut­lich zuge­nom­men, die Armut wächst. Armut beschä­digt
die Würde des Men­schen. In NRW ist inzwi­schen jeder Vierte armuts­ge­fähr­det. Es
macht uns Sorge, dass der Bedarf an Tafeln, Sup­pen­kü­chen und Sozi­al­kauf­häu­sern
in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer grö­ßer gewor­den ist. Diese bedrü­ckende
Ent­wick­lung lässt uns nicht ruhen. Unser Dank gilt den vie­len Hel­fe­rin­nen und
Hel­fern bei den Kir­chen, Sozi­al­ver­bän­den und pri­va­ten Initia­ti­ven wie den Tafeln.
Soziale Gerech­tig­keit, Soli­da­ri­tät und eine umfas­sende Teil­habe sind Richt­schnur
und Maxime unse­res poli­ti­schen Han­delns. Wir han­deln umfas­send, um Armut in
NRW nach­hal­tig zu bekämp­fen. Dazu brau­chen wir ein geziel­tes Zusam­men­wir­ken
von Arbeitsmarkt-, Bildungs-, Gesundheits-, Fami­lien– und Integrationspolitik.

Fami­lie ist da, wo Kin­der sind
Wir müs­sen Kin­der stark machen, ganz egal ob sie von bei­den Eltern­tei­len, von nur
einem Eltern­teil oder in ande­ren Lebens­zu­sam­men­hän­gen betreut wer­den. Dabei gilt
ins­be­son­dere: Kin­der dür­fen kein Armuts­ri­siko sein. Die För­de­rung der Fami­lien
durch den Staat muss den not­wen­di­gen sozia­len Aus­gleich schaf­fen. In der
Ver­gan­gen­heit ist Fami­li­en­för­de­rung fast aus­schließ­lich fis­ka­lisch über Kin­der­geld
und Steu­er­frei­be­träge gesche­hen. Statt in gute Bil­dungs– und Betreu­ungs­an­ge­bote
zu inves­tie­ren, wurde das Geld vor allem an die Eltern ver­teilt. Heute müs­sen wir
erken­nen, dass die­ses Sys­tem, vor allem in Bezug auf die Bil­dung, Gewin­ner und
Ver­lie­rer geschaf­fen hat. Nicht alle Kin­der haben zuhause die not­wen­dige
Unter­stüt­zung bekom­men. Wer Fami­li­en­för­de­rung wei­ter­hin aus­schließ­lich fis­ka­lisch
betrach­tet, ver­sün­digt sich an künf­ti­gen Generationen.

Wir wer­den an die Bil­dungs­fra­gen anders als bis­her her­an­ge­hen und die Berei­che
Sozia­les, Jugend, Bil­dung und Fami­lie so zusam­men­füh­ren, dass sie indi­vi­du­elle und
maß­ge­schnei­derte Lösun­gen für Kin­der und Jugend­li­che ermög­li­chen. Eine
beson­dere Bedeu­tung haben dabei die Kom­mu­nen, die sich zu
Ver­ant­wor­tungs­ge­mein­schaf­ten für Kin­der und Jugend­li­che ent­wi­ckeln müs­sen.
Dafür benö­ti­gen sie die ent­spre­chen­den finan­zi­el­len Spielräume.

Kin­der­ar­mut über­win­den
Wir müs­sen zur Kennt­nis neh­men, dass heute fast jedes vierte Kind arm ist. Das
Pro­blem der Kin­der­ar­mut ist nur zu lösen, wenn es gelingt, die Eltern­ar­mut zu
bekämp­fen. Des­halb wer­den wir so viele Eltern wie mög­lich in die Lage ver­set­zen,
den Lebens­un­ter­halt mit eige­ner Erwerbs­ar­beit zu bestreiten.

Unter einer sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Lan­des­re­gie­rung wer­den wir zügig gemein­sam mit
den Kir­chen und Wohl­fahrts­ver­bän­den sowie ande­ren geeig­ne­ten Part­nern ein
Maß­nah­men­pro­gramm erar­bei­ten, um Kin­der aus ein­kom­mens­schwa­chen Fami­lien
beson­ders zu unterstützen.

Um allen Kin­dern ein Auf­wach­sen im Wohl­er­ge­hen zu ermög­li­chen, set­zen wir uns
für eine eigen­stän­dige und bedin­gungs­lose Kin­der­grund­si­che­rung ein, die sich an
alters­spe­zi­fi­schen Bedar­fen ori­en­tiert. Diese muss zwei Ele­mente absi­chern: Das
säch­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum sowie die Auf­wen­dun­gen für Bil­dung, Betreu­ung und
Erziehung.

Dabei muss sicher­ge­stellt wer­den, dass die Grund­si­che­rung in vol­lem Umfang allen
Kin­dern zur Ver­fü­gung steht und in der Summe nicht zu Ver­lus­ten für die Fami­lien
füh­ren darf. Dar­über hin­aus set­zen wir uns für die Wie­der­auf­nahme ein­ma­li­ger
Bei­hil­fen für Kin­der ins Sozi­al­ge­setz­buch ein.

Der Schlüs­sel zur lang­fris­ti­gen Bekämp­fung von Kin­der­ar­mut liegt aber auch in einer
ande­ren Bil­dungs­po­li­tik. Statt wie bis­her auf direkte Geld­leis­tun­gen an die Fami­lien
zu set­zen, gilt es Fami­lien ziel­ge­nau zu unter­stüt­zen. Dazu gehört für uns das
flä­chen­de­ckende Ange­bot von Betreu­ungs­plät­zen für unter Drei­jäh­rige sowie ein
gebüh­ren­freies Bil­dungs­sys­tem von der Kin­der­ta­ges­stätte bis zur Uni­ver­si­tät. Allein
diese Gebüh­ren­frei­heit ermög­licht es allen Kin­dern, unab­hän­gig vom Geld­beu­tel der
Eltern, am Bil­dungs­sys­tem teil­zu­ha­ben. Dane­ben gewähr­leis­tet sie, dass Leis­tun­gen
ziel­ge­nau bei den Kin­dern ankommen.

Gene­ra­tio­nen­so­li­da­ri­tät stär­ken. Demo­gra­fi­schen Wan­del gestal­ten.
Wir sehen den demo­gra­fi­schen Wan­del als eine zen­trale Gestal­tungs­auf­gabe, die
alle gesell­schaft­li­chen Berei­che durch­dringt und Quer­schnit­t­auf­gabe aller Res­sorts
und aller staat­li­chen Ebe­nen wer­den muss. Dies gilt für den Aspekt des Rück­gangs
der Gesamt­be­völ­ke­rung, die Alte­rung der Gesell­schaft und die wach­sende Viel­falt in
den Städ­ten und Gemeinden.

Der demo­gra­fi­sche Wan­del birgt für die Zukunfts­per­spek­ti­ven Nordrhein-Westfalens
Risi­ken und Chan­cen. Grund­sätz­lich gilt: Nicht das Altern und der Rück­gang der
Bevöl­ke­rung sind die Pro­bleme. Es kommt dar­auf an, die ökono­mi­schen, sozia­len
und poli­ti­schen Vor­aus­set­zun­gen zu schaf­fen, um diese Umbrü­che erfolg­reich zu
gestal­ten sind. Daher ist auch nicht das zah­len­mä­ßige Ver­hält­nis zwi­schen Jung und
Alt die ent­schei­dende Größe für die Finan­zie­rung des Sozi­al­staats, son­dern die
wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit einer Gesell­schaft: Eine immer grö­ßere
nichter­werbs­tä­tige Bevöl­ke­rung kann von einer immer klei­ne­ren Gruppe von
Erwerbs­tä­ti­gen in dem Maße mit­ver­sorgt wer­den, in dem die Pro­duk­ti­vi­tät steigt.
Mehr Senio­ren und weni­ger Kin­der füh­ren nicht zwangs­läu­fig zu weni­ger Wohl­stand.
Daher konnte auch in der Ver­gan­gen­heit der demo­gra­fi­sche Wan­del bei stei­gen­dem
Wohl­stand und dem Aus­bau des Sozi­al­staats bewäl­tigt werden.

Wir wer­den den demo­gra­fi­schen Wan­del sozial gerecht gestal­ten. Dabei ori­en­tie­ren
wir uns an fol­gen­den Leitsätzen:

  • Die Men­schen­würde ist in jeder Lebens­phase zu wahren.
  • Senio­rin­nen und Senio­ren müs­sen selbst­be­stimmt am gesell­schaft­li­chen Leben
    teil­ha­ben können.
  • Soziale Sicher­heit im Alter ist die Basis für ein selbst­be­stimm­tes Leben.
  • Dis­kri­mi­nie­run­gen wegen Alters sind zu überwinden.

Ältere Men­schen – vor allem aber nicht nur – mit sozia­len Benach­tei­li­gun­gen
bedür­fen spe­zi­fi­scher Maß­nah­men, wie z.B. in der Wei­ter­bil­dung, um ihre volle
Inte­gra­tion in die Gesell­schaft zu gewährleisten.

Wir wer­den dafür sor­gen, dass alle Men­schen im Alter men­schen­wür­dig leben
kön­nen. Dies schließt die finan­zi­el­len Mög­lich­kei­ten zur Füh­rung eines
eigen­stän­di­gen Haus­hal­tes ebenso ein wie die Mit­tel zur Teil­habe am sozia­len und
kul­tu­rel­len Leben. Das Ren­ten­sys­tem muss den gerecht­fer­tig­ten Anspruch ein­lö­sen,
für jahr­zehn­te­lange Bei­trags­zah­lun­gen ein Ren­ten­ni­veau zu sichern, das über dem
Exis­tenz­mi­ni­mum liegt und den Lebens­stan­dard sichert.

Bei vie­len Älte­ren ergibt sich nach einem lan­gen und gesun­den Leben eine letzte
Lebens­phase, in der Ver­sor­gung und Betreu­ung wich­ti­ger wer­den.
Sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Poli­tik sorgt dafür, dass es aus­rei­chend Kapa­zi­tä­ten für die
Pflege gibt. Dazu gehört, den Beruf der Alten­pfle­ge­rin und den Alten­pfle­gers
attrak­ti­ver zu gestal­ten und vor allem jene For­men der ambu­lan­ten Pflege beson­ders
zu för­dern, die ein selbst­be­stimm­tes Leben in der eige­nen Woh­nung oder im
fami­liä­ren Umfeld mög­lich machen, wie es sich die große Mehr­heit der Men­schen
wünscht.

Der Anteil der Migran­tin­nen und Migran­ten, die auch im Alter hier leben, steigt
stän­dig. Um auf die indi­vi­du­el­len Bedürf­nisse der Men­schen in jeder Lebens­phase
bes­ser ein­ge­hen zu kön­nen, muss Kul­tur­sen­si­bi­li­tät als Leit­ge­danke in allen
Pla­nun­gen ein­be­zo­gen wer­den. Beson­dere Kom­pe­ten­zen zur gegen­sei­ti­gen
Unter­stüt­zung und Hilfe müs­sen stär­ker genutzt und beglei­tet werden.

Eine zukunfts­ori­en­tierte Senio­ren­po­li­tik geht von dif­fe­ren­zier­ten Alters­bil­dern aus. Es
las­sen sich zwei Grund­ten­den­zen beschrei­ben: Die „jun­gen Alten“, die ihre
Erwerbs­phase gerade abge­schlos­sen haben, gesund und mobil sind; die „alten
Alten“, die oft Hoch­alt­ri­gen und kör­per­lich Eingeschränkten.

Viele ältere Men­schen leben auf dem Land und wol­len in ihrer dörf­li­chen
Gemein­schaft blei­ben. Kin­der und andere Fami­li­en­an­ge­hö­rige leben oft nicht mehr
am glei­chen Ort. Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten, Ärzte, soziale und kul­tu­relle Ein­rich­tun­gen
sind weit weg. Wohn­qua­li­tät und Mobi­li­täts­an­ge­bote hän­gen eng zusammen.

Eine beson­dere Rolle spielt der soziale Woh­nungs­bau. Die­ser ver­setzt die
Kom­mu­nen in die Lage, selbst auf die Her­aus­for­de­run­gen des demo­gra­phi­schen
Wan­dels zu rea­gie­ren und nach­ge­frag­ten Wohn­raum auch anzu­bie­ten. Er muss
wei­ter­hin geför­dert und vor Pri­va­ti­sie­rung geschützt werden.

Von beson­de­rer Bedeu­tung sind Ange­bote alter­na­ti­ver Wohn­for­men in schon
beste­hen­den kom­mu­na­len Wohn­quar­tie­ren. Exis­tie­rende soziale Netz­werke und
infra­struk­tu­relle Vor­aus­set­zun­gen stel­len die Kon­ti­nui­tät von Lebens­be­zü­gen für die
Men­schen sicher und ermög­li­chen ihnen den Ver­bleib im ver­trau­ten Umfeld auch bei
hohem Unterstützungsbedarf.

Wir brau­chen eine grö­ßere Anstren­gung um öffentlich-geförderte und frei finan­zierte
Woh­nun­gen behin­der­ten­ge­recht aus­zu­bauen. Die Men­schen sol­len so lange wie
mög­lich, wie sie wol­len in ihren Woh­nun­gen und ihrer Wohn­um­ge­bung leben
kön­nen. Dort kön­nen sie auf ihre sozia­len Netz­werke und die ihnen bekannte
Infra­struk­tur zugrei­fen. Des­we­gen sollte es auch alter­na­tive Wohn­for­men und
Pfle­ge­woh­nun­gen im Stadt­teil geben, wenn die eigene Woh­nung nicht ent­spre­chend
aus­ge­baut wer­den kann.

Das Woh­nen im Quar­tier, im Stadt­teil, im Dorf, wird mit stei­gen­dem Lebens­al­ter zum
Mit­tel­punkt des All­tags. Des­halb ist die Teil­habe und Mit­wir­kung der Bewoh­ner an
der Gestal­tung des öffent­li­chen Rau­mes von beson­de­rer Bedeu­tung. Das
Bür­ger­schaft­li­che Enga­ge­ment älte­rer Men­schen steigt ste­tig. Eine wich­tige Rolle
spie­len hier­bei die Wohl­fahrts­ver­bände und die Senio­ren­ver­tre­tun­gen in den Städ­ten.
Im Quar­tier kann auch sicher­ge­stellt wer­den (z.B. über Quartiersmanager/innen),
dass Informations-, Bera­tungs– und Hilfs­an­ge­bote auch tat­säch­lich bei den
Betrof­fe­nen ankom­men. Nied­rig­schwel­lige Ange­bote und die Unter­stüt­zung
ehren­amt­li­cher Hilfe kön­nen so bes­ser orga­ni­siert werden.

Das soli­da­ri­sche Gesund­heits­we­sen sichern und stär­ken
Unser Ziel ist eine sichere, bezahl­bare und zuver­läs­sige Gesund­heits­ver­sor­gung für
alle Men­schen in Nordrhein-Westfalen. Nie­man­dem darf eine erfor­der­li­che
Behand­lung oder Pflege ver­sagt blei­ben, weil er die ent­ste­hen­den Kos­ten nicht
tra­gen kann. Wir ste­hen für ein soli­da­ri­sches Gesund­heits­we­sen. Die gesetz­li­che
Kran­ken­ver­si­che­rung ist dafür die tra­gende Säule, die Umla­ge­fi­nan­zie­rung ist ein
kri­sen­fes­ter Sta­bi­li­sie­rungs­fak­tor bei der Finan­zie­rung. Wir stre­ben zunächst die
Rück­kehr zur pari­tä­ti­schen Finan­zie­rung der Bei­träge durch Arbeit­ge­ber und
Arbeit­neh­mer an. Wir wol­len die gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung zu einer
Bür­ger­ver­si­che­rung wei­ter entwickeln.

Wir wol­len auch wei­ter­hin eine flä­chen­de­ckende, bedarfs­ge­rechte und für jeden ohne
Hür­den zugäng­li­che medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung sicher­stel­len. Dazu neh­men wir alle
Ver­ant­wort­li­chen in die Pflicht: Kran­ken­kas­sen, Ärzte und ihre Orga­ni­sa­tio­nen, alle
ande­ren Medi­zin– und Pfle­ge­be­rufe, Kran­ken­häu­ser, Hos­pize, die Trä­ger von
Pfle­ge­sta­tio­nen und –hei­men, die Land­schafts­ver­bände, Apo­the­ker, die Pharma– und
Gerä­te­bran­che und auch Bund, Län­der und Gemeinden

Auch in den länd­li­chen Regio­nen muss die Basis­ver­sor­gung durch Haus­ärzte und
Kran­ken­häu­ser gesi­chert sein. Wir sor­gen dafür, dass die Kran­ken­haus­pla­nung in
der Ver­ant­wor­tung des Lan­des bleibt und nicht zum Frei­brief für Gewinn­ori­en­tie­rung
wird. Nur so bleibt der öffentlich-rechtliche Ver­sor­gungs­auf­trag gesichert.

Um ins­be­son­dere die Kos­ten für Pharm­a­pro­dukte ein­däm­men zu kön­nen, bedarf es
auch in Zukunft des unab­hän­gi­gen Insti­tuts für Qua­li­tät und Wirt­schaft­lich­keit im
Gesund­heits­we­sen (IQWIG) mit einer unab­hän­gi­gen wis­sen­schaft­li­chen Lei­tung.
Zudem set­zen wir uns für die Ein­füh­rung einer Posi­tiv­liste für nach­weis­lich wirk­same
Medi­ka­mente ein.

Wir stel­len uns kon­se­quent auf die Seite der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten und wer­den
alles tun, um eine Zwei-Klassen-Medizin zu ver­hin­dern. Dazu wer­den wir in NRW
das Amt einer Pati­en­ten­be­auf­trag­ten oder eines Pati­en­ten­be­auf­trag­ten ein­rich­ten.
Wir wer­den die Pati­en­ten­rechte wei­ter stär­ken und durch ein unab­hän­gi­ges
Bera­tungs­an­ge­bot für die betrof­fe­nen Per­so­nen trans­pa­ren­ter machen.

Wir wer­den Prä­ven­tion und Gesund­heits­för­de­rung stär­ken. Das beginnt für uns
früh­zei­tig in den Fami­lien, den Kin­der­ta­ges­stät­ten und Schu­len, setzt sich aber auch
im Wohn­um­feld und am Arbeits­platz fort.

Unsere Dro­gen– und Sucht­po­li­tik bezieht aus­drück­lich legale Sucht­stoffe wie Alko­hol,
Tabak und Medi­ka­mente sowie Spiel– und Inter­net­sucht mit ein. Wir ver­fol­gen einen
Ansatz, der Vor­beu­gung, Behand­lung und recht­li­che Fra­gen ein­schließt. Sucht ist
eine Krank­heit und kein Straftatbestand.

Solidarische Gesellschaft

Wir wol­len schon unsere Kin­der so stark machen, dass sie der Flucht in
Sucht­ver­hal­ten nicht zum Opfer fal­len. Wir haben erreicht, dass die Ver­ant­wort­li­chen
der Sucht­hilfe gut mit­ein­an­der ver­netzt sind. Die freie Wohl­fahrts­pflege hat ein
nahezu flä­chen­de­cken­des Hilfs­sys­tem für Men­schen auf­ge­baut, die von Sucht
betrof­fen sind. Aber seit 2007 wer­den die Lan­des­mit­tel im Bereich der
Sucht­be­kämp­fung pau­schal den Kom­mu­nen zuge­wie­sen, ohne dass Schwer­punkte
ver­ein­bart wur­den. Das Land hat sich damit aus der Wei­ter­ent­wick­lung der Dro­gen­und
Sucht­po­li­tik ver­ab­schie­det. Eine von der SPD geführte Lan­des­re­gie­rung wird
dafür sor­gen, dass gut arbei­tende Netze erhal­ten blei­ben, Ziele defi­niert und trotz
enger finan­zi­el­ler Res­sour­cen neue Ange­bote ent­wi­ckelt wer­den können.

Psy­chi­sche Erkran­kun­gen neh­men in unse­rer Gesell­schaft zu. Trotz­dem wer­den sie
viel­fach tabui­siert. Nach einer Stu­die des Robert-Koch-Instituts zeigt jedes fünfte
Kind psy­chi­sche Auf­fäl­lig­kei­ten, jedes zehnte Kind ist auf­grund von Ängs­ten,
Depres­sio­nen, ADHS oder Stö­run­gen des Sozi­al­ver­hal­tens behand­lungs­be­dürf­tig.
Die Unter­ver­sor­gung ist der Kin­der– und Jugend­psych­ia­trie ist alar­mie­rend. Nur ein
Zehn­tel der behand­lungs­be­dürf­ti­gen Kin­der ist ange­mes­sen ver­sorgt, in vie­len
Regio­nen gibt es War­te­zei­ten bis zu einem hal­ben Jahr. Wir wer­den hier sofort und
ent­schlos­sen handeln.

Das Thema HIV/AIDS hat wie­der an Bedeu­tung und Aktua­li­tät zuge­nom­men. Wir
wer­den Orga­ni­sa­tio­nen finan­zi­ell för­dern, die im Bereich der Bera­tung, Beglei­tung
und per­so­nal­kom­mu­ni­ka­ti­ven Prä­ven­tion unver­zicht­bar sind. Prä­ven­tion ist und bleibt
die ein­zige wirk­same Maß­nahme zur Ver­hin­de­rung wei­te­rer Anste­ckun­gen mit HIV.
Wir wir­ken jeder Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­gren­zung von Infi­zier­ten und Erkrank­ten
entgegen.

Die Gesund­heits­wirt­schaft ist schon heute die beschäf­ti­gungs­stärkste Bran­che in
Deutsch­land. Medi­zi­ni­scher Fort­schritt, die Anfor­de­run­gen einer älter wer­den­den
Gesell­schaft und ein ver­stärk­tes Gesund­heits­be­wusst­sein in wei­ten Tei­len der
Gesell­schaft sor­gen dafür, dass die Bran­che auch in Zukunft wach­sen wird. Wir
wer­den wich­tige Wei­chen­stel­lun­gen vor­neh­men, damit die­ses Wachs­tum nach­hal­tig
ist. Dazu gehört, jetzt inno­va­tive Kon­zepte umzu­set­zen und für genü­gend
qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zu sor­gen. Die heu­tige sek­to­rale und durch Bud­gets noch
ver­fes­tigte Abschot­tung der ver­schie­de­nen Ver­sor­gungs­be­rei­che steht einer
Wei­ter­ent­wick­lung im Wege.

Gute Arbeits­be­din­gun­gen, faire Löhne und die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf
haben für uns auch im Gesund­heits­we­sen einen hohen Stel­len­wert. Gerade für den
wich­ti­gen Dienst am Men­schen muss ein aus­kömm­li­ches Ein­kom­men
selbst­ver­ständ­lich sein. Wir brau­chen gesetz­li­che Vor­ga­ben, die regeln, dass aus
Sozi­al­bei­trä­gen finan­zierte Arbeits­plätze grund­sätz­lich sozi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig
und tarif­ge­bun­den sein müssen.

Poli­tik für Men­schen mit Behin­de­rung
Men­schen sind ver­schie­den, das macht unsere Gesell­schaft rei­cher. Rund zehn
Pro­zent der Bevöl­ke­rung haben eine Behin­de­rung, die wenigs­ten von ihnen von
Geburt an. Jeder kann jeder­zeit von Behin­de­rung selbst oder im engs­ten Umfeld
betrof­fen sein. Es ist die zen­trale Auf­gabe des Sozi­al­staats, die Nach­teile, die
Men­schen mit Behin­de­run­gen ent­ste­hen, aus­zu­glei­chen und ihre Teil­habe am
gesell­schaft­li­chen, am kul­tu­rel­len und am Arbeits­le­ben zu gewähr­leis­ten. Eine
bar­rie­re­freie Umge­bung ist Vor­aus­set­zung für die Teil­habe am gesell­schaft­li­chen
Leben.

Dafür bedarf es bes­se­rer gesetz­li­cher Rah­men­be­din­gun­gen. Was heute unnö­tig
getrennt wird, kann mor­gen nur schwer wie­der zusam­men gefügt wer­den. Wir wol­len
so viele Men­schen mit Behin­de­run­gen wie nur mög­lich in Regel-Kindergärten,
Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten und Betrie­ben aus­bil­den und beschäf­ti­gen, statt zu viele von
ihnen in spe­zi­el­len Kin­der­gär­ten, För­der­schu­len und Werk­stät­ten für behin­derte
Menschen.

Gestärkt wer­den müs­sen diese Ein­rich­tun­gen für Men­schen mit schwe­ren und
schwers­ten Behin­de­run­gen, bei denen eine För­de­rung im regu­lä­ren Schul­be­trieb
oder die Ein­glie­de­rung in den all­ge­mei­nen Arbeits­markt nur sehr schwer mög­lich ist.
Wir müs­sen soweit wie mög­lich weg vom Für­sor­ge­prin­zip, hin zum Grund­satz der
Selbst­be­stim­mung und gleich­be­rech­tig­ten Teilhabe.

Gleich­be­rech­tigt leben
Unser Ziel ist ein selbst­be­stimm­tes und part­ner­schaft­li­ches Mit­ein­an­der von Frauen
und Män­nern in allen Lebens­be­rei­chen. Frau­en­po­li­tik ist eine Quer­schnitts­auf­gabe in
allen Poli­tik­be­rei­chen und not­wen­dige Vor­aus­set­zung für eine posi­tive Ent­wick­lung
unse­rer Gesell­schaft. Wir brau­chen mehr Frauen in Füh­rungs­po­si­tio­nen. Das
schließt die Beset­zung von min­des­tens 40% aller Auf­sichts­rats­man­date durch
Frauen ein. Wir müs­sen für alle Frauen den Grund­satz glei­cher Lohn für glei­che
Arbeit durchsetzen.

Fami­lie ist für uns dort, wo Kin­der sind, wo Gene­ra­tio­nen und Lebens­part­ner
Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der über­neh­men. Men­schen mit gleich­ge­schlecht­li­cher
Ori­en­tie­rung war­ten wei­ter auf eine Gleich­be­hand­lung vor dem Gesetz. Wir wol­len
das unein­ge­schränkte Adop­ti­ons­recht für ein­ge­tra­gene Lebens­part­ner­schaf­ten. Der
Abbau von Dis­kri­mi­nie­rung wird in der neuen Lan­des­re­gie­rung eine
Quer­schnitts­auf­gabe mit beson­de­rer per­so­nel­ler Zustän­dig­keit sein.

Wir ste­hen für ein offe­nes und tole­ran­tes Klima in unse­rer Gesell­schaft, in der
Men­schen unab­hän­gig von ihrer sexu­el­len Iden­ti­tät ihr Leben gestal­ten kön­nen. Wir
bekämp­fen Homo­pho­bie und machen klar: Mensch­li­ches Zusam­men­le­ben ist
viel­fäl­tig. Dies gilt es bereits früh­zei­tig zu ver­mit­teln und Bera­tungs­an­ge­bote und
Prä­ven­ti­ons­ar­beit zu stär­ken, die sich gegen Gewalt und Into­le­ranz rich­ten, etwa im
Sportverein.

Auch Les­ben und Schwule wer­den älter. Des­halb unter­stüt­zen wir Wohn­mo­delle und
Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, die den Bedürf­nis­sen von älte­ren Frauen und Män­nern
ent­spre­chen, die offen mit ihrer Homo­se­xua­li­tät umge­hen wollen.

Schutz und Hilfe vor Gewalt für Frauen und deren Kin­der
Wir set­zen uns für einen Rechts­an­spruch auf Schutz und Zuflucht sowie auf
Bera­tung und Unter­stüt­zung für von Gewalt betrof­fene Frauen und deren Kin­der ein.
Wir wer­den die, mit dem Haus­halt 2006 durch die CDU-FDP-Koalition
vor­ge­nom­mene 30%-Kürzung der Lan­des­zu­wei­sun­gen bei den Frau­en­häu­sern
zurück­neh­men und damit die nach­sor­gende Beglei­tung wie­der ver­bes­sern.
Außer­dem set­zen wir uns wei­ter­hin für die Wie­der­ein­rich­tung der Lan­des­fach­stelle
ein, die die Arbeit der Frau­en­häu­ser unter­stütz­ten, koor­di­nie­ren und bün­deln sollte.
Damit kann auch die not­wen­dige Prä­ven­ti­ons­ar­beit gegen häus­li­che Gewalt
ver­bes­sert werden.

Inte­gra­tion vor­an­brin­gen
Nordrhein-Westfalen war und ist Ein­wan­de­rungs­land. Men­schen unter­schied­li­cher
kul­tu­rel­ler Her­kunft haben unser Land gemein­sam auf­ge­baut. Wir wol­len, dass alle
Men­schen in NRW – egal wel­cher Her­kunft und wel­cher Haut­farbe – die Chance auf
einen sozia­len Auf­stieg für sich und ihre Kin­der haben. Inte­gra­tion bedeu­tet somit für
uns, dass jeder aktiv am gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Leben teil­ha­ben kann.

Die hier leben­den Zuwan­de­rin­nen und Zuwan­de­rer und ihre Nach­kom­men haben in
NRW eine Hei­mat gefun­den und sind ein selbst­ver­ständ­li­cher Teil unse­rer
Gesell­schaft geworden.

Gelun­gene Inte­gra­tion ist die gleich­be­rech­tigte Teil­habe aller an Arbeit und Bil­dung,
beim Woh­nen und im gesell­schaft­li­chen Leben. Sie ver­langt im täg­li­chen Leben eine
Kul­tur der Aner­ken­nung des glei­chen Wer­tes aller Men­schen unab­hän­gig von ihrer
reli­giö­sen oder kul­tu­rel­len Iden­ti­tät. Wir wer­den sie fördern.

Unsere Inte­gra­ti­ons­po­li­tik basiert auf den drei Grund­pfei­lern soziale
Chan­cen­ge­rech­tig­keit, kul­tu­relle Aner­ken­nung und poli­ti­sche Par­ti­zi­pa­tion. Wir
wol­len, dass alle aktiv am gesell­schaft­li­chen Leben teil­neh­men können.

Ins­be­son­dere die Schaf­fung glei­cher Bil­dungs­chan­cen ist der Schlüs­sel zur
erfolg­rei­chen Inte­gra­tion. Dazu ist die Beherr­schung der deut­schen Spra­che zen­tral.
Wir wer­den alle Anstren­gun­gen unter­neh­men, damit alle Kin­der bei der Ein­schu­lung
die deut­sche Spra­che beherr­schen. Es gilt aber auch die Chance, die das
Beherr­schen der eige­nen Mut­ter­spra­che bie­tet, wahrzunehmen.

Chan­cen­gleich­heit bedeu­tet auch Rechts­si­cher­heit. Wir wer­den die unse­lige Pra­xis
der Ket­ten­dul­dun­gen end­lich been­den. Flücht­linge, die sich seit Jah­ren in
Deutsch­land auf­hal­ten und inte­griert haben, sol­len ein Auf­ent­halts­recht erhalten.

Wir wer­den den Gesin­nungs­test in NRW wie­der abschaf­fen und sämt­li­che
gespei­cher­ten Daten vernichten.

Die Aner­ken­nung der kul­tu­rel­len Eigen­hei­ten fes­tigt nicht nur das Selbst­wert­ge­fühl
der Migran­tin­nen und Migran­ten. Die viel­fäl­ti­gen kul­tu­rel­len Erfah­run­gen berei­chern
zudem unsere Gesell­schaft und bie­ten in der glo­ba­li­sier­ten Welt einen
Erfah­rungs­schatz, der für die gesell­schaft­li­che und wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung von
unschätz­ba­rem Wert ist.

Wir unter­stüt­zen die freie Reli­gi­ons­aus­übung, die unser Grund­ge­setz garan­tiert.
Dazu gehört für uns auch das Recht, eigene Got­tes­häu­ser zu errich­ten. Wir
wider­set­zen uns den Ten­den­zen, die die­ses berech­tigte Anlie­gen für ihre
unde­mo­kra­ti­schen Akti­vi­tä­ten nutzen.

Wir wol­len Poli­tik gemein­sam gestal­ten. Dazu ist die poli­ti­sche Par­ti­zi­pa­tion der
Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund unab­ding­bar. Des­halb setzt sich die SPD dafür
ein, dass auch Men­schen, die nicht aus EU-Ländern kom­men, aber seit Jah­ren in
Deutsch­land leben, das kom­mu­nale Wahl­recht erhalten.

Aus­druck erfolg­rei­cher Inte­gra­tion ist auch, dass die Beschäf­ti­gung von Men­schen
mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund im öffent­li­chen Dienst, z.B. in Schu­len, bei der Poli­zei und
Behör­den im All­ge­mei­nen zum Nor­mal­fall wird. Viele Zuge­wan­derte haben in den
ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten den Schritt in die Selbst­stän­dig­keit gewagt und
erfolg­rei­che Unter­neh­men gegrün­det. Wir suchen das Gespräch mit Ihnen, auch um
gezielt zusätz­li­che Aus­bil­dungs­plätze zu gewinnen.